Orgasmen: Hat sie?


Illustration by Patsy
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Eine der unangebrachtesten Fragen, die man einer Frau stellen kann, nachdem man sich geliebt hat, ist: „Hattest du einen Orgasmus?" Die häufigste Antwort einer Frau auf diese Frage wird wohl sein: „Natürlich hatte ich einen!" oder „Wenn dir wirklich etwas an mir läge, dann wüßtest du das!" Diese Antworten gäbe sie, wenn sie überhaupt noch mit dir reden würde und du nicht auf der Couch schlafen müßtest. Ihre Reaktion auf diese Frage kann sehr negativ ausfallen, unabhängig davon, ob sie wirklich einen Orgasmus hatte oder diesen nur vortäuschte. Der Grund dafür sind die gesellschaftlichen Erwartungen, die auf ihr lasten. Die Gesellschaft macht uns glauben und erwartet zugleich, eine Frau hätte auf natürliche Weise einen Orgasmus; wenn sie eine normale und moderne Frau sein will.

Nachdem der weibliche Orgasmus in der Vergangenheit übersehen und geleugnet wurde, wird heutzutage vorausgesetzt, daß alle Frauen einen hätten. Tatsächlich wird erwartet, sie hätten mehr als einen und das sehr schnell. Es wird davon ausgegangen, daß die Frauen unabhängig von der Art der Stimulation, der sexuellen Ausstrahlung und dem Wissen ihrer Partner orgasmen. Alle Frauen im Fernsehen und Filmen können es und zeigen uns, wie man „echten Sex" hat. Schon die Titelbilder der Frauenmagazine informieren uns darüber, daß jede Frau „irre Orgasmen" haben kann, wenn sie nur die in den Magazinen beschriebenen „einfachen" Ratschläge befolgte. Liebesromane und Filme sind voll mit Frauen, die schon durch den bloßen Hauch einer Berührung durch einen Mann oder einer Frau orgasmen. Eine Frau könnte meinen, daß alle ihre Freundinnen in der Partnerschaft Orgasmen haben, weil sie möglicherweise nie wirklich mit ihnen darüber gesprochen hat und sie es nicht für geboten hält, sie zu fragen. Frauen wurde nie gelehrt, wie sie einen Orgasmus haben können, also muß der Orgasmus etwas Instinktives sein. Frauen legen sich einfach hin und haben einen Orgasmus. Falls sie keinen Orgasmus haben, dann kommen sie ihrer partnerschaftlichen und gesellschaftlichen Verpflichtung nicht nach.

Orgasmus hatte. Einige Frauen zeigen die klassischen Zeichen sexueller Erregung und orgasmen wie es in Büchern und Webseiten beschrieben ist. Doch selbst wenn sie so reagieren, kann man sich ihrer sexuellen Leidenschaft nur schwerlich sicher sein. Diese Orgasmusindikatoren basieren auf der Beobachtung verschiedener Frauen unter Laborbedingungen, also nicht im dunklen Schlafzimmer mit zurückgeschlagenem Bettzeug. Die „Daten" wurden gesammelt, um allgemeine physische Reaktionen vergleichen zu können. Die Mechanik kann die Leidenschaft beeinflussen, wenn man versucht, etwas zu bestimmen, was gar nicht dafür vorgesehen ist, definiert zu werden. Man kann keine Punkte auf einer Orgasmusliste abhaken, um herauszufinden, ob man selbst oder die Partnerin einen Orgasmus hatte. Die einzige Möglichkeit herauszubekommen, ob eine Frau einen Orgasmus hatte, ist, daß sie dir sagt, sie hatte einen, denn es hängt von ihrer „Wahrnehmung" ab, nicht davon wie es aussah oder sich anfühlte.

Es gibt keinen narrensicheren Weg, um herauszufinden, ob eine Frau einen Orgasmus hatte, nicht einmal für die Frau selbst. Die körperlichen Qualitäten eines weiblichen Orgasmus und seine Wahrnehmung ändern sich von Orgasmus zu Orgasmus. Es kann passieren, daß eine Frau selbst nicht weiß, ob sie gerade einen Orgasmus hatte oder heftige sexuelle Leidenschaft, die manchmal größeren Genuß als der eigentliche Orgasmus verschafft. Wenn eine Frau einen Orgasmus hat, dann bedeutet das nicht automatisch, daß sie Leidenschaft erfährt oder großes Vergnügen empfindet. Ein Orgasmus kann langweilig sein! Ein weiblicher Orgasmus kann so wenig körperliches Empfinden auslösen, daß sie sich wundert, ob das jetzt ein Orgasmus war oder nicht. Betty Dodson beobachtete Frauen, die selbst nicht erkannten, daß sie einen Orgasmus hatten. Andere Frauen sind sich nicht sicher, ob sie orgasmen, aber denken, daß sie es tun. Wenn eine Frau also selbst nicht immer weiß, ob sie bei jeder Gelegenheit einen Orgasmus hatte oder nicht, ist es dann vernünftig zu erwarten, daß ihr Partner es weiß?

Die meisten jungen Männer und Frauen haben keine Vorstellung davon, wie eine Frau während eines Orgasmus aussieht, klingt und fühlt, denn diese Informationen wurden ihnen nie vermittelt. Ganz im Gegenteil gibt sich die Gesellschaft alle erdenkliche Mühe, jungen Leuten dieses Wissen vorzuenthalten. Wir halten es für unnormal und schädlich, wenn ein Kind oder ein Teenager Zeuge einer Frau wird, die gerade einen Orgasmus hat. Die Gesellschaft unternimmt kaum oder gar keine Anstrengungen, uns über die weibliche Leidenschaft und den weiblichen Orgasmus aufzuklären. Was wir den Leuten beibringen ist keine genaues Abbild der Wirklichkeit. Sind Kinofilme und das Fernsehen gute Informationsquellen, wenn wir wissen, daß die hier gezeigten Orgasmen und die sexuelle Leidenschaft gekünstelt sind? Kein Wunder, daß auch beim „wirklichen" Sex geschwindelt wird; 55 Prozent aller Frauen täuschen gelegentlich einen Orgasmus vor. Wir lehren Mädchen und Frauen, einen Orgasmus vorzutäuschen und wir bringen ihren Partnern bei, einen vorgetäuschten Orgasmus zu erwarten.

Sollten Sie Ihre Partnerin fragen, ob sie einen Orgasmus hatte? Wenn es vielleicht nicht die dümmste Frage ist, so ist es jedenfalls nicht die beste, die man stellen kann, denn wenn sie keinen Orgasmus hatte, kann man daran erstmal nichts mehr ändern. Damit will ich sagen, daß man die Zeit nicht zurückstellen kann, daß das Begehren und die Gelegenheit für Sex vielleicht schwinden, während man noch mit dieser Frage beschäftigt ist. Falls sie keinen Orgasmus hatte, bleibt einem nur das Gefühl der Enttäuschung. Stattdessen sollte man die Frage stellen: „Möchtest du einen Orgasmus haben?" Und dies sollte man am Anfang sexueller Betätigung tun, die Initiative ergreifen statt zu reagieren.

Die wichtigste Sache, die sich eine Frau klar machen sollte, ist, daß sie die Verantwortung für ihr sexuelles Vergnügen und ihre Befriedigung übernimmt. Sie kann es nicht dem Zufall überlassen oder hoffen, auf einen Ritter in strahlender Rüstung zu treffen. Jede Frau muß für sich entscheiden, wie wichtig sexuelle Leidenschaft für sie ist. Je wichtiger sie ihr ist, desto mehr wird sie fordern, nicht ihr Partner. Sie muß außerdem herausfinden, was ihr Vergnügen bereitet und sich dabei nicht in irgendeine Schablone pressen lassen. Auch wenn es kalt und unromantisch klingt: Sie muß ihren Partner als ein Instrument ihrer Leidenschaft sehen, als ein Werkzeug zu ihrer freien Verfügung. Das ist die gesellschaftliche Sichtweise, die es den Männern in der Vergangenheit erlaubte, Frauen zu betrachten. Solange beide Geschlechter einander gleich betrachten, wird niemand ein sexuelles Objekt des anderen werden. Indem man seine eigene Begierde erfüllt, wird man auch die Begierde seines Partners/seiner Partnerin erfüllen, vorausgesetzt, man ist ehrlich zueinander und gibt genauso viel, wie man selbst beansprucht.

Als nächstes muß die Frau zu Beginn einer sexuellen Betätigung entscheiden, ob sie einen Orgasmus möchte oder sich dazu in der Lage sieht. Frauen täuschen oft einen Orgasmus vor, weil sie gerade gar keinen wollen oder ihren Körper gut genug kennen, um zu wissen, daß sie beim bevorstehenden sexuellen Akt keinen haben werden. Trotzdem wollen sie in dem Moment Sex, weil sie die körperliche Nähe auch ohne Orgasmus genießen möchten. Wenn eine Frau einen Orgasmus möchte und sich auch in der Lage dazu sieht, sollte sie dies ihrem Partner mitteilen. Dies kann sie sehr direkt formulieren: „Ich möchte einen Orgasmus haben" oder sie kann ihn zu sexuellen Aktivitäten auffordern, bei den sie sicher sein kann, zu einem Orgasmus zu gelangen. Sie kann beispielsweise einfach „orales Vergnügen" fordern. Falls sie keinen Orgasmus möchte oder sich außerstande dazu sieht, dann kann sie sagen: „Diese Nacht ist für dich" oder „Ich möchte dich verwöhnen". Sie muß aber auch in der Lage sein, „Nein" oder „Halt" zu sagen. Wenn sie während des Cunnilingus merkt, daß es nicht zum Orgasmus führt, muß sie sagen können: „Du kannst jetzt aufhören, wenn du magst" oder einfach „Bitte höre auf". Ich weiß, daß dies keinem Leitfaden entspricht oder dem, was wir als romantischen Sex bezeichnen, aber auf diese Weise täuscht niemand einen Orgasmus vor. Eine Frau muß ehrlich mit sich und ihrem Partner sein, wenn sie echtem Sex genießen - unabhängig von einem Orgasmus - möchte. Eine Frau muß ihrem Partner genau sagen, was sie gerade meint und welche sexuellen Handlungen sie wann bevorzugt. Eine Frau muß deutlich sagen, was sie jeweils möchte und was sie braucht, auch wenn dies die Aussage zur Folge hat, „du weißt nicht, was du willst". Meine Damen, eurer Partner ist kein Gedankenleser, und man kann nicht mit einer Gebrauchsanweisung kommen.

Was sollte der Partner einer Frau tun? Er muß erkennen und akzeptieren, daß ihre Leidenschaft und ihre Orgasmen zu ihrem Vergnügen sind, nicht zu seinem. Immer mehr Männer und Frauen erwarten von Frauen, auf Kommando orgasmen zu können. Sie erwarten, daß Frauen bei jeder Handlung schnell und mehrmals orgasmen. Und dies nicht, um ihrer Partnerin Vergnügen zu bereiten, sondern auch um ihre eigene Geschicklichkeit und ihr Können unter Beweis zu stellen. Sie möchten gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen. Sie möchten in der Gemeinschaft angeben, auch wenn sie nicht einmal vor ihren Familien und Freunden prahlen können. Sie möchten das gute Gefühl haben, das „Ziel" erreicht zu haben. Dies führt verständlicherweise dazu, daß Frauen sich unter Druck gesetzt fühlen, einen Orgasmus haben zu müssen, um ihren Partner glücklich zu machen, um die Erwartungen ihres Partners und der Gesellschaft zu erfüllen. Bei diesen unrealistischen Erwartungen bleibt es nicht aus, daß Frauen gelegentlich einen Orgasmus vortäuschen. Um dies zu verhindern, sollte ein Partner der Frau gestatten, keinen Orgasmus zu haben und sie bitten, keinen Orgasmus vorzutäuschen.

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Vielleicht kann er sagen: „Ich verstehe, wenn Frauen einen Orgasmus vortäuschen und vielleicht hast du dies auch schon getan. Falls du dich in der Vergangenheit dazu veranlaßt sahst und dich auch zukünftig dazu genötigst siehst, dann möchte ich dir sagen, daß ich es vorzöge, du tätest es nicht. Sage mir, wenn du einen Orgasmus möchtest, und sage mir, wie ich dir am besten helfen kann, um zu einem Orgasmus zu gelangen". Offene Kommunikation ist entscheidend.

Hinzugefügt sei, daß der Partner ein Frau jede sexuelle Erfahrung mit ihr so betrachten sollte, als wäre es die allererste. Du kannst nicht wissen, was sie möchte, bevor sie es dir nicht gesagt hat. Nachdem sie es dir gesagt hat, weißt du nicht eher als bis du es ausprobiert hast, ob es ihre Bedürfnisse befriedigt. Und nur weil es das letzte Mal funktionierte bedeutet es nicht, daß es nochmal funktioniert. Wenn ihr seit zwanzig Jahren zusammen seid, glaubst du, daß sie dann immer wieder das gleiche möchte? Nur weil etwas hundertmal klappte, heißt es nicht, daß es auch zum 101. Mal funktioniert. Frauen und Männer sind keine Maschinen, deren Programm sich nicht zu ändern scheint. Meistens haben wir nur eine sehr eingeschränkte Vorstellung davon, was unsere Partner wünschen, weil wir nie nach ihren Begierden fragten und sie uns sie nie mitteilten. Die Gesellschaft sagt uns, was unsere Partner wünschen sollen und wir gehen davon aus, daß es genau das ist. Dies zu machen ist ein großer Fehler. Der Partner einer Frau muß offen sein und ihre Bedürfnisse akzeptieren. Um die Begierden einer Frau wirklich zu erfüllen, muß der Partner so tun, als wüßte er nichts von ihren Bedürfnissen; und er muß bereit sein, ohne Vorbehalt ihre geäußerten Wünsche und Begierden zu akzeptieren.

Wenn dir klar wird, daß du ihre Bedürfnisse nicht genau kennst, dann mußt du sie herausfinden. Wie macht man das? Viele würden vorschlagen, ein Buch über weibliche Sexualität zu lesen oder vielleicht eine Webseite wie diese zu besuchen. Das Problem ist nur, daß deine Partnerin wahrscheinlich dieses Buch nicht geschrieben und diese Webseite nicht gestaltet hat. Keines von beiden wird ein ordentlicher oder vollständiger Leitfaden dafür sein, wer sie ist oder welche Bedürfnisse sie hat, auch wenn einige dich vom Gegenteil überzeugen wollen. Wenn du wirklich wissen willst, was eine Frau möchte, dann mußt du sie fragen. Sie kann es dir beantworten, vielleicht aber auch nicht. Je größer ihr Wissen und ihre Erfahrung sind, je mehr sie ihre Sexualität akzeptiert, desto genauer wird sie über ihre Bedürfnisse Bescheid wissen. Wenn sie nie masturbierte oder nie mit einem anderen Sex hatte, dann wird sie vielleicht ihre Bedürfnisse gar nicht kennen und nicht wissen, wie sie sie befriedigen kann. Sie könnte nur wissen, was von ihr zum eigenen Vergnügen erwartet wird, und das ist wahrscheinlich nicht das, was sie möchte oder braucht. Frauen verändern sich ständig, denn diese Veränderungen geschehen in ihrem Bewußtsein und in ihrem Körper! Aufgrund des Menstruationszyklus, Schwangerschaft, den Höhen und Tiefen des Lebens wissen Frauen nicht immer, was sie wollen und brauchen. Das gleiche gilt natürlich auch für Männer. Man muß es als Abenteuer sehen.

Wenn du ein großer Liebhaber sein willst, dann mußt du zuerst ein großer Forscher werden. Um ein großer Forscher werden zu können, mußt du die Bücher und Tastaturen beiseite legen und einige Feldstudien unternehmen. Du mußt Fragen stellen und deine Ideen überdenken. Falls du in deinem Forschungsvorhaben nicht manchmal in die Irre gehst oder Fehlversuchen unterliegst, dann forschst du nicht richtig. Falls du hin und wieder nicht frustriert bist oder außer dir, dann hast du die Herausforderung nicht angenommen. Wenn du nie versagt hast, dann bist du als Liebhaber wahrscheinlich ganz in Ordnung, aber du wirst nie der Liebhaber sein, den deine Partnerin sich wünscht. Wer nie versagt hat, hat wahre Größe nie erfahren!

Was ist, wenn sie einen Orgasmus hat? Wenn eine Frau einen Orgasmus hat, sollte sie dies ihrem Partner mitteilen und nicht erwarten, daß er es von selbst merkt. Sie kann einfach sagen: „Ich hatte einen Orgasmus" oder „Danke für die wundervollen Orgasmen". Sie sollte nicht erwarten, daß ihr Partner es weiß, auch wenn sie der Meinung ist, es sei offensichtlich gewesen. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit für beide, sich einander für das gegenseitige Vergnügen zu bedanken, auch wenn der Orgasmus ausblieb.

Paare sollten die Möglichkeit einbeziehen, daß der Partner einer Frau denkt, sie hätte einen Orgasmus, wenn sie in Wahrheit keinen hatte. Nach dem Sex könnte der Partner zufrieden sein, während sie zur gleichen Zeit enttäuscht ob des Mißverständnisses ist. Dies passiert, weil es nicht ungewöhnlich ist, daß eine Frau die Merkmale eines Orgasmus während der sexuellen Erregung zeigt. Der Partner einer Frau kann sie laut aufstöhnen hören oder aufgrund ihres zuckenden Beckens oder ihrer zuckenden Vagina denken, daß sie einen Orgasmus hatte und mit seiner sexuellen Stimulation aufhören. Dem kann man vorbeugen, wenn die Frau während des Sex aggressiver wird und die Kontrolle über die Handlungen ihres Partners übernimmt. Erlaube deinem Partner nicht aufzuhören, bevor du deinen gewünschten Orgasmus hattest. Sage ihm, daß er nicht aufhören soll und setze sanfte körperliche Stärke ein, um zu bekommen, was du möchtest und brauchst. Falls du den Eindruck hast, daß er aufhört oder langsamer wird, dann zögere nicht, um mehr zu bitten. Wenn du wirklich etwas möchtest, dann mußt du es ihn wissen lassen. Aber beschimpfe deine Partner nicht.

Wenn eine Frau nach dem Sex keinen Orgasmus hatte, obwohl sie ihn wollte, dann muß sie es ihrem Partner mitteilen. Das Paar muß Wege finden, um dies nach Möglichkeit in der Zukunft zu verhindern. Vielleicht kann sie ihn am nächsten Tag während oder nach dem Essen fragen, ob sie die letzte Nacht „diskutieren" können. Sie kann ihm sagen, daß sie einen Orgasmus gehabt haben wollte, aber es nicht ging und ihm die Gründe dafür erklären. Sie sollte auf die Gefühle ihres Partners Rücksicht nehmen, aber nichtsdestoweniger ehrlich sein. Wenn sie ihm ihre Seite erklärt hat, sollte sie seine Sichtweise in Erfahrung bringen. Beide müssen solange fragen, bis sie einander wirklich verstanden haben. Erst wenn beide Seiten des Problems offen liegen, kann man sich an mögliche Lösungen machen. Vielleicht wußte ihr Partner einfach nicht, daß sie eine längere Stimulation wollte, zu der beide bereit gewesen wären, wenn sie es gewußt hätten; oder sie waren beide einfach zu müde, um weiterzumachen. Vielleicht wußten sie einfach nicht, wie sie einen Orgasmus erreichen kann und sie muß es ihm nur beibringen. Vielleicht müssen sie die Möglichkeit diskutieren, daß sie - falls diese Situation erneut auftritt - masturbieren will und/oder muß. Wenn eine Frau ihren Wunsch nach einem Orgasmus ihrem Partner nicht mitteilt, dann wird dieser Wunsch womöglich für immer unerfüllt bleiben.

Paare müssen sich mit der Idee anfreunden, daß ein Orgasmus sexuelles Vergnügen auch behindern kann. Oft sehen Paare Orgasmen als rotes Licht beim Sex, als ein Stoppsignal. Solange das grüne Licht leuchtet, machen beide weiter und meinen, es sei noch nicht zum Orgasmus gekommen. Was ist, wenn beide innerhalb von fünf Minuten zum Orgasmus kommen? Vergleiche dies mit Paaren, wo einer oder beide Probleme haben, den Orgasmus zu erreichen und dreißig oder sechzig Minuten mit Sex verbringen. Welches Paar hat das größere Potential für einfallsreiches sexuelles Vergnügen? Überraschenderweise nicht das Paar, das schnell orgasmet. Ein Orgasmus ist wie ein Feuerwerk, schillernd, aber immer zu schnell vorüber. Macht Orgasmus nicht zum einzigen Ziel von Sex oder Intimität.

Der Orgasmus ist einfach eine Form des sexuellen Vergnügens, nicht notwendigerweise die ideale Form. Einen Orgasmus zu haben bedeutet nicht, intensive sexuelle Freuden zu erleben oder sexuelle Erfüllung zu erlangen. Die Fähigkeit, deinen Partner zum Orgasmus zu bringen, macht aus dir noch keinen großen Liebhaber. Ja, ein Orgasmus kann etwas Tolles sein und das Leben erfreulich gestalten, aber man darf nicht unvernünftige Erwartungen mit ihm verknüpfen. Wenn der Orgasmus sexueller Selbstweck ist, dann kann Sex langweilig und unbefriedigend werden. Wenn ein Orgasmus jedesmal erwartet wird, dann wird er ein Mittel der Frustration, nicht ein Mittel der Entspannung. Betrachte einen Orgasmus wie Schokoladeneis. Einige Menschen mögen keine Schokolade, andere reagieren allergisch. Selbst wenn Leute es mögen, wollen sie nicht bei jeder Gelegenheit Eiskrem - und es gibt Zeiten, da kann man sie bekommen, aber man weiß genau, es ist besser ohne sie.


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