Der weibliche Orgasmus

Illustration by Patsy
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Weibliche sexuelle Erregung und Orgasmus sind ein komplexer Prozess, der die gesamte Frau einbezieht, Körper und Geist. Das Gehirn empfängt sexuelle Stimulation vom Körper, verarbeitet sie, und veranlasst eine Reaktion, basierend auf Erlerntem und Erfahrung. Das Gehirn kann durch Gedanken erregt sein (sexuelle Phantasien), visuelle Stimulation (den Partner nackt sehen), Sprachstimulation (die Stimme des Partners hören), Geruchsstimulation (der Geruch des Partners wahrnehmen), und Geschmack (der Geschmack des Partnerkörpers). Der Körper kann die Erregung aufgrund der Berührung - durch die Frau oder ihren Partner - von Genitalien oder Brust in Gang setzen, durch das Gefühl von Luft, die über die Haut streicht, oder Kleidung, die Brüste oder Genitalien stimuliert. Körper und Geist können getrennt sexuell erregt sein, aber sie können nicht einzeln den Orgasmus erlangen: Der Orgasmus erfordert das Zusammenspiel von Geist und Körper. Gedanken alleine mögen einen Orgasmus auslösen können, aber er findet noch immer im Körper statt. Sexuelle Stimulation und Erregung können von nur einer Quelle stammen, aber der Orgasmus findet in beidem statt.

Bei der Geburt reagieren wir auf sexuelle Stimulation ausschließlich instinktiv. Wenn wir uns geborgen fühlen und die grundlegenden materiellen Bedürfnisse erfüllt sind, werden wir wahrscheinlich sehr empfänglich für sexuelle Stimulation sein. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum die einfachen Tätigkeiten wie das Stillen und das Entblößen der Genitalien bei Kindern zu sexueller Erregung führen. Bei der Geburt sind wir sehr empfänglich für sexuelle Stimulation, und der Geist hat noch keine "passenden" Reaktionen erlernt. Daher wird der Orgasmus bei der Geburt mehr durch physische Stimulation als durch Gedanken gesteuert. Der Orgasmus ist eine simple physische Reaktion.

Bis die Pubertät einsetzt, haben wir bereits "passende" Reaktionen gelernt. Vielleicht wissen wir, dass jede sexuell behaftete Reaktion schlecht ist. Wir sind vielleicht so sehr von unserem sexuellen Selbst isoliert, dass wir es noch nicht einmal bemerken wenn wir erregt sind. Das gilt mehr für Mädchen als für Jungen, da die ja eine unübersehbare Erektion erfahren. Wir wissen, was "gute Mädchen" und "böse Mädchen" sind. Wir wissen wer ein "guter Kumpel" ist, selbst wenn wir nicht in sexuellen Begriffen über sie denken können. Teenager und erwachsene Frauen könnten es vermeiden in Situationen zu gelangen in denen sie sich sexuell fühlen, wenn sie diese Empfindungen als schlecht einstufen. Sie könnten sexuelle Erregung mit Liebe verwechseln. Sie können alle sexuellen Empfindungen ausblenden, sie verneinen, oder so negativ auf sexuelle Stimulation reagieren dass Sex unmöglich wird.

Einige Frauen haben keine negativen Vorurteile gegen Sex und sind offen. Sie sind gerne sexuell erregt und suche offen danach. Sie fragen nicht wer oder was sie erregt, sondern genießen einfach. Natürlich sieht die Gesellschaft diese "leichten Mädchen" negativ und nennt sie "Schlampe" und "Nutte". In unserer verdrehten Gesellschaft ist das Mädchen das alle sexuellen Empfindungen von sich weist normaler als das, das offen sexuell ist. Das gilt heute weniger als noch vor zwanzig Jahren, ist aber immer noch ziemlich wahr.

Der Orgasmus mag mehr eine mentales Erlebnis als eine physische Erfahrung für die Frau sein, mehr als für Männer, weil sie mehr Einschränkungen auferlegt bekommt. Die Fähigkeit des Mannes, eine Erektion zu haben und zu ejakulieren ist Symbol seiner Männlichkeit, die sexuelle Erregung und Genuss wird bei der Frau eher als "Kontrollverlust" und "triebhaft" gesehen. Vielleicht suchen deshalb Frauen oftmals seltener Sex als Männer, obwohl wohl beide bei der Geburt gleich angelegt sind.

Der sexuelle Reizzyklus

Zwei physikalische Veränderungen muss der Körper durchlaufen wenn eine Frau einen Orgasmus erfährt: Die erste ist die "vasocongestion", das Sammeln von Blut in Brüsten und Genitalien. Dadurch schwellen Brüste und Genitalien an, ändern ihre Farbe, der Körper fühlt sich warm oder gar heiß an, Vaginalsekret wird produziert. Die zweite ist "Myotonie" oder "Neuromuskuläre Anspannung", das Aufbauen von Energie in den Nervenenden und Muskeln des ganzen Körpers. Myotonie ist die "sexuelle Anspannung" die ich in meinen Masturbationstips für pre-orgasmische Frauen anspreche. Myotonie ist keine Verspannung als Folge negativer Gefühle. Starke Myotonie kann als Gefühl der Enge im eigenen Körper empfunden werden, kurz vor dem Orgasmus, am Punkt ab dem es kein Halten mehr gibt. Einige Frauen die mit starker Myotonie konfrontiert werden, schaffen es nicht über den Punkt zu gehen, sich loszulassen, und haben daher keinen Orgasmus.

Es sollte erwähnt werden dass jede Infektion, Droge (verschrieben oder nicht), oder Krankheit die den Blutkreislauf, die Muskeln oder Nerven beeinträchtigt, Myotonie und Vasocongestion verhindern können. Wenn Du Myotonie und Vasocongestion nicht erfährst, kann es sein dass Du nicht erregt wirst und keinen Orgasmus erfahren kannst. Wenn Du eine Krankheit hast die direkt Kreislauf, Nerven oder Muskeln beeinträchtigt, kannst Deine Fähigkeit zum Orgasmus beeinträchtigt werden. Sollte eines davon diagnostiziert sein, sieh für weitere Informationen auf den Seiten Gesundheit und Behinderungen nach. Wenn Du glaubst Du bist nicht in der Lage zu sexueller Erregung, oder nur beschränkt, suche den Rat eines Arztes.

Drei repräsentative Variationen der weiblichen sexuellen Erregung
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"Drei repräsentative Variationen der weiblichen sexuellen Erregung. Schema 1 zeigt multiple Orgasmen, Schema 2 zeigt Erregung, die die Plateauphase erreicht, ohne den Orgasmus zu erreichen (bemerke dass die Entspannung langsamer erfolgt); und Schema 3 zeigt einige leicht Einbrüche in der Erregungsphase, gefolgt von einer umso schnelleren Entspannungsphase." Aus dem Buch "Masters and Johnson on Sex and Human loving", Seite 58 Copyright 1982, 1985, 1986 Von William H. Masters, M.D., Virginia E Johnson, and Robert C. Kolodny, M.D.

Sexualforscher haben den sexuellen Erregungszyklus in vier Phasen unterteilt: Erregung, Plateau, Orgasmus und Entspannung. Dies sind willkürliche Definitionen und es ist unwahrscheinlich, dass jemand bewusst eine Phase nach der anderen durchläuft. Die Dauer der einzelnen Phase, selbst die Reihenfolge in der sie erfahren werden kann variieren. Eine Frau die ein Date hat mag mehrfach erregt sein, sogar ohne ihr Wissen, ohne je die Plateauphase zu erreichen. Sie mag Erregung und Plateauphase während eines intensiven Tanzes erfahren, aber auf der Fahrt nach Hause abkühlen. Sie kann eine sehr schnelle Erregung und Orgasmus durch direkte genitale Stimulation erfahren, ohne die Plateauphase zu durchlaufen. Die Weise in der jede Phase erlebt wird ist einzigartig und wird sich selbst abhängig von Stimmung und mit wem sie zusammen sind ändern.

Die Erregung kann von diesen physischen Reaktionen auf mentale und/oder physische Stimulation begleitet werden:

  • Die vaginale Feuchte setzt zuerst ein, innerhalb von 10-30 Sekunden.
  • Die oberen zwei drittel der Vagina weiten sich.
  • Uterus und Muttermund werden nach oben gezogen.
  • Die großen Schamlippen werden flach und spreizen sich auseinander.
  • Die kleinen Schamlippen wachsen an.
  • Die Klitoris vergrößert sich.
  • Die Brustwarzen können fest werden, dies ist eine Folge von Muskelkontraktionen.
  • Bei starker Erregung können sich die Brüste vergrößern.

Female Genitals During Sexual Arousal
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Aus dem Buch "Masters and Johnson on Sex and Human loving", Seite 62 Copyright 1982, 1985, 1986 Von William H. Masters, M.D., Virginia E Johnson, und Robert C. Kolodny, M.D.

Die oben erwähnt, schmiert sich die Vagina als Folge der Vasocongestion. Feuchtigkeit sickert durch die Vaginalwände als Folge der erhöhten Blutansammlung. Der Prozess wird "Transudation" genannt. Kleine Feuchtigkeitstropfen sammeln sich in der Vagina. Diese Tröpfchen können sich sammeln und aus der Vagina fließen; die Vulva wird feucht. Die Menge, Dicke und Geruch der Vaginalflüssigkeit variiert von Frau zu Frau, und hängt bei ein und derselben Frau von vielen Faktoren ab, unter Anderem von ihrem momentanen Zyklus und was sie gegessen hat. Das Vorhandensein von Scheidenflüssigkeit zeigt weder, dass die Frau vollkommen bereit zum Geschlechtsverkehr ist, noch zeigt die Abwesenheit dass sie nicht erregt ist. Einige Frauen produzieren nur sehr wenig Flüssigkeit und machen den Einsatz von wasserbasierenden Gleitmitteln nötig, zum Beispiel K-Y-Jelly. (Der Einsatz Öl basierter Gleitmittel kann zu Infektionen führen.) Es kann völlig normal oder ein vorübergehendes Phänomen sein wenn Du ein Problem mit Trockenheit beim Verkehr feststellst, aber konsultiere Deinen Arzt. Andere Frauen produzieren so viel Flüssigkeit dass sie "davonfliessen", was problematisch sein kann wenn es in der Öffentlichkeit passiert. Auch dies ist völlig normal, es sind einfach körperliche Unterschiede.

Vulva During Sexual Arousal
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Aus dem Buch "Masters and Johnson on Sex and Human loving", Seite 66 Copyright 1982, 1985, 1986 William H. Masters, M.D., Virginia E Johnson, und Robert C. Kolodny, M.D.

Während der Plateauphase kann die Frau erfahren:

  • Ein deutliches Anwachsen der sexuellen Erregung.
  • Vermehrte Vasocongestion lässt das äußere Drittel der Vagina anschwellen, wodurch die Vaginalöffnung schrumpft, vielleicht um 30%.
  • Die inneren zwei Drittel der Vagina bilden einen Hohlraum. Die Frau verspürt jetzt oft das starke Bedürfnis, ausgefüllt zu werden.
  • Die Menge der Vaginalflüssigkeit kann sich während diesem Zustand verringern, besonders wenn er lange anhält.
  • Die Klitoris wird zunehmend erigiert, der Kitzler bewegt sich auf das Schambein zu, wird mehr durch die Vorhaut verdeckt.
  • ie inneren Schamlippen verdicken sich deutlich, vielleicht 2 bis 3-mal so dick.
  • Die vergrößerten inneren Schamlippen können die äußeren Schamlippen aufspreizen, wodurch die Vagina stärker hervortritt.
  • Die Farbe der inneren Schamlippen ändert sich deutlich. Sie reicht von rosa bis rot für Frauen die noch nicht geboren haben, von hellem rot bis dunklem weinrot für Frauen die es haben. Die endgültige Farbe unterscheidet sich, aber nicht, dass ein deutlicher Wechsel stattfindet.
  • Die Areola, der pigmentierte Bereich um die Nippel, beginnt anzuschwellen.
  • Die Brüste können größer werden, um 20-25% bei Frauen die noch nicht gestillt haben. Bei Frauen die haben, ist nur wenig bis gar kein Anschwellen feststellbar.
  • 50-70% der Frauen erfahren einen "sex-flush" in der Brust und anderen Bereichen des Körpers durch erhöhte Durchblutung nahe der Hautoberfläche.
  • Der Herzschlag erhöht sich, möglicherweise bis zum deutlichen Herzklopfen.
  • Es gibt eine deutliche Steigerung der sexuellen Erregung in Oberschenkeln und Gesäß.
  • Der Körper der Frau ist nun vollständig bereit für vaginalen Verkehr.

Masters und Johnson berichten, sie haben nie eine Frau beobachtet die einen Orgasmus hatte und nicht vorher den deutlichen Farbwechsel an den Schamlippen erfuhr. Wenn eine Frau diesen Farbwechsel erfuhr, war sie mehr als wahrscheinlich dabei, einen Orgasmus zu erreichen.

Wenn Du alle physikalischen Veränderungen an inneren und äußeren Sexualorganen verfolgst, wirst Du feststellen dass die Frau nicht eher als spät in der Plateauphase bereit ist für den Geschlechtsverkehr. Der Körper der Frau signalisiert die Bereitschaft durch das Öffnen der Vulva, das Entblößen der Vaginalöffnung. Die Feuchte alleine indiziert nicht alleine die Bereitschaft. Dies zeigt vielleicht, dass Frauen ein ausgedehntes Vorspiel benötigen. (*)

Enlargement of Female Breasts During Sexual Arousal
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Aus dem Buch "Masters and Johnson on Sex and Human loving", Seite 67 Copyright 1982, 1985, 1986 William H. Masters, M.D., Virginia E Johnson, und Robert C. Kolodny, M.D.

Während dem Orgasmus kann die Frau erfahren:

  • Rhythmische Muskelkontraktionen im äußeren Drittel der Vagina, dem Uterus, und dem Anus. Die ersten Kontraktionen sind die intensivsten und geschehen mit einem Abstand von etwas unter einer Sekunde (0,8 Sekunden). Bei einem längeren Orgasmus werden die Kontraktionen weniger intensiv und geschehen mit eher zufälliger Frequenz. Ein milder Orgasmus kann etwa 3-5 Kontraktionen haben, ein intensiver 10-15.
  • Der "sex-flush" wird noch ausgeprägter und kann einen größeren Bereich des Körpers erfassen.
  • Muskelkontraktionen können im ganzen Körper auftreten, nicht nur im Beckenbereich.
  • Der Orgasmus findet auch im Gehirn statt, wie man beim Beobachten der Gehirnströme feststellen kann.
  • Manche Frauen verlieren oder verspritzen Flüssigkeit aus der Harnöffnung. Dies wird oft weibliche Ejakulation genannt. Während man nun nachforschen kann ob es Urin oder weibliches Ejakulat ist das ausgestoßen wird, ist die Quelle eigentlich auch nicht wichtig. Frauen berichten oft von sehr starken Orgasmen wenn es passiert. Das sollte alles sein das wirklich interessiert: Die Freude der Frau. Niemand stellt die männliche Ejakulation in Frage, selbst wenn sie auch Sauerei macht.
  • Myotonie kann sehr stark sein, besonders im Gesicht, Händen und Füßen. Der Gesichtsausdruck der Frau kann Schmerzen ausdrücken, während sie tatsächlich einen befriedigenden Orgasmus hat.
  • Auf der Spitze des Orgasmus kann der ganze Körper kurzzeitig starr werden.

Frauen die nie einen Orgasmus erfahren haben, und Frauen die sich nicht sicher sind, fragen oft "wie fühlt sich ein Orgasmus an?" Das ist schwer, wenn nicht unmöglich zu beantworten. Stell Dir vor, jemandem zu erklären wie es ist zu niesen oder zu gähnen. Nicht ganz einfach. Wie unsere Sinne und das Gehirn physische Reize verarbeiten ist subjektiv, es ist ganz von der individuellen Wahrnehmung abhängig. Während wir physische Reize messen können, können wir nicht messen wie eine Person sie wahrnimmt. Selbst wenn eine Frau an Meßgeräte angeschlossen wird während sie 15 orgasmische Kontraktionen über 10 Sekunden hat, woher wissen wir ob sie es stärker empfunden hat als eine andere Frau die 5 Kontraktionen über 4 Sekunden hatte? Die Frau die einen 10-Sekunden-Orgasmus hatte, könnte in der Tat fragen warum ihre Orgasmen so schwach sind! Bei gewissen Formen von Nervenschäden kann es sein dass eine Frau nicht sagen kann ob sie einen Orgasmus hatte.

So beschreiben Masters und Johnson den weiblichen Orgasmus: "Frauen beschreiben oft das Gefühl eines Orgasmus als eine kurzzeitige Lähmung, sofort gefolgt von einem intensiven, wundervollen Gefühl das gewöhnlich an der Klitoris beginnt und sich schnell über das Becken ausbreitet. Die Genitalien fühlen sich oft warm an, elektrisch, oder kribbelnd, und das Gefühl breitet sich durch den Körper aus. Schließlich erfahren die meisten Frauen Muskelkontraktionen in der Vagina oder dem unteren Beckenbereich."

Während alle Orgasmen organisch gleich sind, und nur in Stärke und Länge variieren, wird eine Frau sie nicht alle gleich empfinden. Ein Orgasmus durch Masturbation ist normalerweise vollkommen anders als beim Verkehr mit dem Partner. Tatsächlich berichten Frauen meist, dass die "befriedigendsten" Orgasmen bei der Masturbation auftreten, vielleicht weil sie dann das Zentrum der Aufmerksamkeit ist, und nicht vom Partner abgelenkt wird oder sich um ihn kümmert. Eine Frau wird einen Orgasmus ganz anders empfinden wenn ihre Vagina leer ist, als wenn ein Penis oder eine Hand drinsteckt. Sie mag die Kontraktionen mehr spüren wenn ihre Vagina etwas umfassen kann, als wenn sie leer ist und an sich selbst drückt. Frauen erfahren Orgasmen des ganzen Körpers, klitorale Orgasmen, vaginale Orgasmen, und Gebärmutterorgasmen. Während elektronische Geräte sagen würden, dass alle das gleiche sind, werden die Frauen da anderer Meinung sein.

Masters und Johnson, und andere, glauben, dass alle gesunde Frauen in der Lage sind einen Orgasmus allein durch die Stimulation des vaginalen Verkehrs zu erfahren, weil der stoßende Penis die inneren Schamlippen drückt und zieht, was zu indirekter Stimulation der Klitoris führt. Andere Sexualforscher sind anderer Meinung: Obwohl technisch möglich, scheint es praktisch unwahrscheinlich.

Wenn die weiblichen Masturbationsgewohnheiten ein Indiz sein sollen, führt vaginale Stimulation weniger wahrscheinlich zum Orgasmus als andere Aktivitäten, die direkt die Klitoris stimulieren. Neunzig Prozent der Frauen die masturbieren stimulieren dabei ihre Klitoris. Nur zehn Prozent stimulieren ihre Vagina, und selbst diese erregen für gewöhnlich auch gleichzeitig ihre Klitoris. Wenn eine Frau masturbiert, ist der Orgasmus fast garantiert. Selbst wenn die Frau ihre Klitoris nicht als primäres Sexualorgan auffasst, wird die Gewohnheit ihr diktieren dass sie am Stärksten von klitoraler Stimulation profitiert, nicht von vaginaler. Warum sollte man glauben dass Frauen anders masturbieren als so, wie es am Besten geht?

Wie oben gesagt, ist der Körper einer Frau nicht vollständig bereit zum Verkehr bis sie stark erregt, und in der Plateauphase ist. Wenn eine Frau stark erregt ist, scheint es möglich, dass indirekte Stimulation der Klitoris, kombiniert mit vaginaler Stimulation, zum Orgasmus führt. Wenn eine starke emotionale Bindung zwischen der Frau und ihrem Partner besteht, kann diese psychische Stimulation alleine einen Orgasmus auslösen wenn sie stark erregt ist. Das gleiche kann man nicht von einer Frau sagen die versucht, vom Stadium der geringen sexuellen Erregung den ganzen Weg zum Orgasmus alleine durch indirekte klitorale und vaginale Stimulation zu gehen. Wenn die Vagina unempfindlich ist, kann alleine die indirekte klitorale Stimulation für die Frau nicht ausreichend sein, um sie über die Klippe zu stoßen, selbst wenn sie stark erregt ist. Man darf annehmen, dass Frauen direkte klitorale Stimulation benötigen um sie auf den Verkehr vorzubereiten, selbst wenn sie sie nicht beim Verkehr selbst brauchen um den Orgasmus zu erlangen.

Während der Entspannungsphase kann die Frau erfahren:
  • Wenn die sexuelle Stimulation anhält, kann die Frau einen oder mehrere weitere Orgasmen erfahren.
  • Die Vagina und ihr Eingang kehren zum normalen entspannten Zustand zurück.
  • Brüste, Schamlippen, Klitoris, und Uterus erhalten normale Größe, Position und Farbe zurück.
  • Klitoris und Nippel können so empfindlich sein, dass jede Stimulation unangenehm wird.
  • Der "sex flush" verschwindet.
  • Starke Schweißbildung und schwere Atmung können auftreten.
  • Das Herz kann schnell schlagen.
  • Wenn der Orgasmus nicht auftrat, wird die Frau immer noch das meiste der aufgelisteten Dinge erfahren, aber viel langsamer. Wenn Blut in den Beckenorganen gefangen ist und nicht durch die orgiastischen Kontraktionen wegtransportiert wurde, kann ein unangenehmes Gefühl der Schwere zurückbleiben.

Hat eine Frau einen Orgasmus gehabt, kann sie gewöhnlich noch einige weitere in Folge haben, solange eine angemessene Stimulation fortgeführt wird. Manche Frauen werden einen Orgasmus nach dem anderen haben, solange die Stimulation anhält. Die Praxis scheint dies noch wahrscheinlicher zu machen: Die Klitoris kann nach dem ersten Orgasmus extrem empfindlich sein, und nur sehr leichte oder indirekte Berührung benötigen. Es kann sein, dass die Frau dann schon kurz nach dem Orgasmus einen weiteren bereit für den nächsten ist. In diesem Fall kann tiefes Atmen helfen sich schneller zu erholen, was ihr den nächsten Orgasmus ermöglicht. Die meisten multiplen Orgasmen treten während der Masturbation auf, weil nichts die Frau ablenkt. Ein Vibrator wird nicht müde, anders als die Hand der Frau oder die des Partners. Ein männlicher Partner der selbst einen Orgasmus hatte wird meist außerstande sein die Stimulation fortzusetzen. Will der Partner der Frau zu multiplen Orgasmen verhelfen, muss er wahrscheinlich seine eigene Befriedigung hintanstellen, zumindest zeitweise.

Ist der Orgasmus notwendig für die sexuelle Erfüllung der Frau? Obwohl es wahr ist, dass Millionen von Frauen ein glückliches und ausgefülltes Leben führen und noch nie einen Orgasmus hatten, währe ihr Leben wahrscheinlich noch glücklicher, wenn sie hätten. Der Orgasmus ist eine normale Funktion des Körpers. Wenn die Frau keinen Orgasmus erfahren hat, könnte sie sich aufgrund des gesammelten Blutes nach dem Sex sehr ungemütlich fühlen. Es gibt Berichte, dass Frauen Ängste und andere Gesundheitsprobleme aufgrund dieser ungelösten sexuellen Spannung entwickelt haben. Ärzte haben in der Vergangenheit Vibratoren benutzt um einen Orgasmus auszulösen und diese Probleme zu behandeln. Während der Orgasmus nicht notwendig ist für das Glück der Frau, macht er das Leben doch lebenswerter.

Für pre-orgasmische Frauen, und für die die ihn nur unter großer Schwierigkeit erlangen, kann es eine Herausforderung sein, ein Gleichgewicht zwischen dem Verlangen nach einem Orgasmus und ihrer sexuellen Zufriedenheit zu finden. Heutzutage besteht ein großer sozialer Druck, einen Orgasmus zu haben. Die Massenmedien sind voll von den Freuden des Orgasmus. Frauen wollen einen Orgasmus nicht nur wegen sich selbst haben, sondern um ihren Partner glücklich zu machen und so wie ihre Bekannten zu sein. Bis zu einem gewissen Grad kann der Orgasmus für manche Frauen zu einer Pflicht werden. Versucht man nur noch verbissen einen Orgasmus zu bekommen, wird der Sex nur noch unbefriedigend und frustrierend sein, für sich selbst und den Partner. Man kann sich nicht selbst, oder den Partner, zum Orgasmus zwingen. Wer nur noch an die Technik, and die Mechanismen des Orgasmus denkt, verliert an der Intimität des Sex.

Es ist gewöhnlich leichter für eine Frau, den Orgasmus beim Masturbieren zu erlernen als den ersten Orgasmus beim Partnersex zu haben. Aus diesem Grund könnten pre-orgasmische Frauen den Partnersex nur wegen der Freude und Intimität wollen, ohne zu versuchen einen Orgasmus zu haben, wenigstens zeitweise. Sie sparen sich dann ihre Versuche für Masturbiersitzungen auf, wenn sie alleine sind und nur an sich selbst denken können. Gewöhnlich sind Frauen nicht in der Lage oder willens, egoistisch genug zu sein und sich selbst während dem Partnersex zum Zentrum der Aufmerksamkeit zu machen. Sie versuchen die Bedürfnisse des Partners zu erfüllen und gleichzeitig ihre eigenen, aber ihre eigenen fallen dabei gewöhnlich hinten runter.

Den Orgasmus vorzutäuschen ist definitiv eine schlechte Idee. Was als der Versuch anfängt, vor einem neuen Partner das Gesicht zu wahren und ihm seine moralische Befriedigung zu geben, endet oft in einem permanenten Zustand. Frauen tendieren dazu sich selbst für alles verantwortlich zu machen was in der Beziehung schief läuft, daher sehen sie es als ihre eigene Schuld wenn sie unfähig sind einen Orgasmus zu bekommen, und zahlen still den Preis. Sie trauen sich nicht zu gestehen, dass sie vorgetäuscht haben, um den Partner nicht zu verärgern, also lassen sie es. Wenn Du Dich entscheidest es dem Partner zu sagen, musst Du nicht nur zugeben dass Du keinen Orgasmus hattest, sondern auch, dass Du die ganze Zeit gelogen hast, etwas vor ihm verborgen, und ihn für dumm verkauft. Frauen die den Orgasmus vortäuschen können so frustriert über ihre Unfähigkeit und das mangelnde Geschick ihres Partners werden, dass sie irgendwann den Sex ganz vermeiden. Hat die Frau einen Orgasmus, real oder vorgetäuscht, zeigt sie dem Partner, dass er einen guten Job gemacht hat, dass es keinen Grund gibt das nächste Mal irgendetwas anders zu machen: Kein Grund etwas an der Sextechnik zu ändern, und das ist das genaue Gegenteil von dem was die Frauen eigentlich sagen sollten.

Neue Studie: Glamour Magazine

Auf der Basis von 1.500 Antworten von Frauen auf eine Onlineumfrage auf Glamour.com

Auf die Frage: "Wie oft täuschen Sie den Orgasmus vor?" antworteten:

Ich täusche niemals vor 45%
1%-25% der Zeit 34%
26%-50% der Zeit 10%
51%-75% der Zeit 7%
76%-100% der Zeiten 4%

Die knappe Mehrheit, 55%, gibt zu dass sie zumindest gelegentlich etwas tun, was sie nicht tun sollten: Den Orgasmus vortäuschen. Das zeigt ein schwerwiegendes Problem auf. In diesem Fall lässt die Gesellschaft die Frauen glauben, dass sie immer einen Orgasmus beim Partnersex haben sollten, und dass negative Konsequenzen resultieren wenn sie es nicht haben. Der Orgasmus ist nicht länger nur ein Orgasmus. Er ist eine Meßlatte für die Qualität unserer Sexualität und vielleicht unserer sozialen Stellung in der Gesellschaft. Die Gesellschaft lässt uns glauben, dass "normale" Frauen immer einem Orgasmus haben, und ihr "liebender Partner" stimuliert sie immer zum Orgasmus. Früher wurde der weibliche Orgasmus ignoriert, heute legen wir vielleicht zu viel Wert auf ihn. Es ist wichtig, dass die Frauen es als ein gesellschaftliches Problem sehen, nicht als ihr eigenes. Keine Frau wird jedes Mal wenn sie Partnersex hat oder masturbiert einen Orgasmus haben. So ist es einfach. Wird der Orgasmus zum einzigen Ziel des Sex, wird man den Sex weniger genießen, er wird langweiliger, wenn nicht sogar frustrierend. Willst Du intensive und anhaltende sexuelle Zufriedenheit, dann versuche nicht, einen Orgasmus zu haben.